Mittwoch, 3. Februar 2010

Meine erste 3D Kino Erfahrung

von Sami Jaafar

Technik die begeistert, wenn man sie sich leisten kann.

Avatar von James Cameron ist zwar nicht der erste Film, der in 3D produziert wurde, dafür aber wohl mit Abstand der mit den höchsten Zuschauerzahlen. Gut sieben Wochen nach Erscheinen haben alleine in Deutschland über 7,5 Millionen Kinobesucher die Kassen der Lichtspielhäuser klingeln lassen. Die meisten von ihnen werden sich den Luxus einer 3D Vorstellung gegönnt haben, obwohl das einen Kartenpreisaufschlag von teilweise bis zu fünf Euro bedeutete.

Insbesondere die kleineren Kinos mussten ihre Preise deutlich anziehen, wenn sie auf den räumlichen Zug aufspringen wollten. Die RealD Technik des gleichnamigen Unternehmens erlaubt es den Kinobetreibern nämlich, im Gegensatz zu anderen Projektionstechniken, den Film von nur einem anstatt von zwei Projektoren ablaufen zu lassen. Bei dieser Technik wird das Licht zunächst polarisiert und nacheinander jeweils ein Bild für das linke und das rechte Auge projiziert. Die Brille dient vereinfacht gesprochen dazu, das einfallende Licht für das jeweilige Auge so zu verzögern, dass der Eindruck einer räumlichen Wahrnehmung entsteht.
RealD hat zum Einen den Vorteil, dass die räumliche Wirkung auch noch erhalten bleibt, wenn der Zuschauer seinen Kopf neigt, zum Anderen kann die selbe Vorstellung auch Zuschauern im Saal gezeigt werden, die sich keine Brille kaufen oder leihen wollen. Natürlich müssen diese dann auf die schicke 3D Optik verzichten.
Das Kino muss aber, um RealD nutzen zu können, eine mit Silber beschichtete Leinwand besitzen, da eine herkömmliche weiße Leinwand das polarisierte Licht zerstreut und der 3D Effekt dadurch verschwindet. Viele kleinere Kinos mussten also vorher kostspielig nachrüsten, was sich auf die Eintrittspreise auswirkt.


Herr Cameron, was ist eigentlich ein Avatar?

Ich war schon lange vor dem Erscheinungsdatum sehr gespannt auf Avatar. "Vielleicht muss ich bald nicht mehr so häufig den Begriff des virtuellen Repräsentanten oder virtuelle Realitäten als solche erklären, wenn mich jemand nach meiner Arbeit fragt und fragt was ich da so mache", dachte ich mir. Außerdem bringt Cameron nicht alle Jahre einen Film heraus und ehrlich gesagt haben mich die mir bekannten Titel, wie z.B. die ersten beiden Terminatoren und Teil 2 von Alien, wirklich begeistert, auch die in Teilen zu schnulzige Titanicverfilmung bezeichne ich als großes Kino.

Mit Sicherheit hat jeder zu dem Hollywood-Blockbuster-Genre seine eigene spezielle Meinung. Schließlich macht ja beinahe vierteljährlich eine Produktion mehr Schlagzeilen mit der Tatsache, dass sie wieder hunderte Millionen Dollar verschlungen hat und hier und da ein Hubschrauber explodiert, statt mit einer fesselnden Handlung oder mitreißenden Schauspielern. Trotzdem bleibe ich auch nach Avatar dabei, dass man sich getrost einen James Cameron Film im Kino anschauen kann und gute, wenn auch stark auf Massentauglichkeit getrimmte, Unterhaltung geboten bekommt.

Kein Film den man sich mehrmals anschaut.

Soweit zum Film selbst. Ausführlicher möchte ich gar nicht auf inhaltliche Stärken und Schwächen eingehen, da jeder den Film entweder schon gesehen hat oder zur Genüge darüber gelesen haben dürfte.

Ich erzähle lieber wie der Film und die 3D Technik auf mich gewirkt haben.

Zunächst einmal muss ich sagen: Avatar hat mich gleich in der ersten Woche ins Kino gelockt. Ich habe den Film aber ohne 3D Technik gesehen. Meine süße Begleitung und reichlich Glühwein waren Schuld daran, dass wir erst im Kino waren als die 3D Vorstellung bereits begonnen hatte. So mussten wir uns mit der "normalen" Vorführung von Avatar begnügen.

Im Laufe der nächsten Wochen unterhielt ich mich mit verschiedensten Leuten über Avatar. Immer habe ich sehr bald etwas zu hören bekommen wie, "du warst in Avatar und hast ihn dir nicht in 3D angeschaut?", oder, "das ist doch Geldverschwendung, ohne 3D". Ich fand den Film eigentlich ganz okay, aber die Kommentare meiner Freunde haben mich dann schon ein bisschen verunsichert. Was habe ich verpasst? Vielleicht kann man dieses Ereignis mit der Ausstrahlung der Mondlandung damals vergleichen und ich hatte mich sinnbildlich damit begnügt, am nächsten Tag darüber in der Zeitung zu lesen? "Da kannst du ja gar nicht mitreden!". Also musste ich den Film nochmal sehen. Wieder Geld ausgeben...

Es war gar nicht leicht jemanden zu finden, der sich den Film mit mir anschauen wollte. Es hieß dann nur: "Kenn ich schon...ja war geil...wie, ohne 3d?...sorry, nochmal ist mir zu teuer, so gut war der dann auch nicht." Nach Wochen der Enttäuschung hat mich letztes Wochenende ein Freund gefragt, ob ich den Film nicht nochmal gucken wolle. Er hatte das gleiche Problem wie ich: Alle hatten den Film schon gesehen. Aber er hat sich wohl erinnert, dass ich ihn schon seit Monaten auf die Nerven gegangen bin, weil doch 'bald der neue Cameron Film in die Kinos kommt'. Er hatte Glück. Und ich auch.


Das ist also dieses 3D von dem alle reden.

Endlich in AVATARin3D. Ich war sehr gespannt. Ich habe bis dahin noch gar keine 3D Filme gesehen. IMAX hat mich nie gereizt und dazu war es da noch so teuer. Zudem dachte ich bei 3D Filmen oft zuerst an die grün/rot verschwommenen Bilder aus den Magazinen meiner Kindheit. Also Karten besorgt, draußen noch ein paar Bier gekauft und getrunken um gegen die Preise im Kino zu protestieren und dann rein ins Kino.

Drinnen gingen die 2D Werbung und die Vorschauen glücklicherweise schnell vorbei. Dem Bier sei Dank. Der Vorhang schloss sich, aber nur um sich sofort wieder zu öffnen. Schnell die Brille aufgesetzt. Jetzt gehts los! Doch nicht, wieder Vorschau. Aber, wow, in 3D. Es lief der Trailer zu Tim Burtons 'Alice im Wunderland' der im Frühjahr raus kommen soll und dessen Trailer ich vor Vorfreude schon in und auswendig kenne. Aber nicht in 3D. Wow. Der animierte Katzenkopf schwebt direkt vor meinem Gesicht. Können animierte 3D Tiere auch Krankheiten übertragen? Egal. 3D ist eine Wucht.
Endlich ging der Film los.

Ich kannte den Anfang zwar schon, trotzdem kam mir alles neu vor. Die Kühlkammern im Raumschiff öffnen sich. Die Soldaten schweben aus ihrer Kammer und von weitem kommt ein Arzt angeschwebt. Und schon ist er direkt vor mir. Ich merkte, dass ich ein Dauergrinsen im Gesicht hatte und meinem Kumpel ging es nicht anders. "Ist das geil, oder was?" flüsterte er zu mir rüber. Ich nickte. Als ich mich umschaute fielen mir einige Zuschauer auf, die keine 3D Brille hatten. "Diese armen Würstchen", dachte ich mir und hatte dabei auch ein bisschen Mitleid.
Bei jeder Kamerafahrt, bei jeder Szene in der viel Bewegung herrschte, übertrug sich eine Unruhe auf mich. Man steht mitten im Geschehen. Im Laufe des Films befindet man sich im Urwald von Pandora, dem außerirdischen Mond, auf dem der Film spielt, und die bunten Bilder, die mich beim ersten Mal ein wenig gestört hatten, waren in 3D einfach nur schön. Insekten fliegen an mir vorbei. Man steht wirklich mitten im Regenwald! Naja, man sitzt. Ich sah auch darüber hinweg, dass ich das Gefühl hatte, die 3D Technik zwingt einem auf, wo man hin zugucken hat. Bewegte ich mein Sichtfeld aus dem Fokus, wirkte alles leicht unscharf. Was ich schade finde, da ich gerne meinen Blick über die riesige Leinwand schweifen lasse, wenn ich schon im Kino bin.

Was solls, die Optik überzeugte trotzdem. Bei der Szene als die Avatare alle um ihren heiligen Baum herum saßen und beim beten ihre Hände in die Luft warfen und Kreisen ließen, war ich kurz davor mich lautstark darüber aufzuregen, welche Idioten im Saal da mitmachten und ihre Arme hoch warfen. Zum Glück bemerkte ich rechtzeitig dass der Eindruck, meine Vordermänner heben ihre Hände hoch, nur durch die 3D Optik zustande kam und sich eigentlich alles auf der Leinwand abspielte. Das wäre peinlich geworden.

Fazit.

Nach 160 Spielminuten plus Pause war der Film dann vorbei und ich muss sagen, es hat sich gelohnt sich den Film nochmal in 3D anzuschauen. Ich bin mir sicher das war nicht der letzte Film, den ich mir so angesehen habe. Es ist wieder was besonderes ins Kino zu gehen.






Kommentare:

3d Kino hat gesagt…

In Berlin gibt es gleich mehrere 3D-Kinos, und auch im Rest von Deutschland sind nahezu flächendeckend 3D-Kinos verfügbar: www.kinos3D.de

Datenraum Erfassung hat gesagt…

Na ja, 3D hat eine große Zukunft. Genauso wie alle moderne Technologien. Beiläufig gesagt, entdecke gerade VDRs. Empfehle!